Kreuze auf dem Lebensweg

Die Stationen dieses Weges sind inmitten unseres Ortes Bad Westernkotten an alten und neuen Wegkreuzen angesiedelt. Schon immer haben Menschen aus verschiedenen Gründen Kreuze errichtet. Diese Gründe sind zeitlos und auch heute noch aktuell.

So möchten wir Sie einladen, sich auf den Weg zu machen und ihrem Leben nachzuspüren.

Der Weg:

1. Station: Kirchturm
2. Station: Kreuz der Familie Lüning Bredenollgasse
3. Station: der Weg führt über den Schulhof zum Kreuz der Familie Schrop, Aspenstraße
4. Station: der Weg führt weiter den Westwall entlang, Richtung Griesestraße zum Friedensglobus
5. Station: Weringhauserstraße Richtung Dorfmitte zum Kreuz am Kornspeicher
6. Station: Entlang des Nordwalls über die Salzstaße und anschließend in die Leckhausstraße zum
Kreuz der Familie Gerling
7. Station: Zurück zur Kirche in Pastors Garten

1. Station – Schmerz


Die wertvolle Pietà im Kirchturm stammt aus dem Jahre 1780 und hat bis 1980 im Heiligenhäuschen an der Friedhofslinde gestanden.

Am Leben Marias lässt sich meditieren, dass eine „geglückte Gottesbeziehung“ nicht unbedingt damit gekoppelt ist, was man gemeinhin unter Glück versteht. Die Perspektive des Evangeliums ist eine andere. Der tiefe Schmerz, der Maria durchdrungen haben muss, wurde vielfach in der Kunst in Pietà-Darstellungen wiedergegeben. Die außerbiblische Szene, in der Jesu Leichnam im Schoß seiner Mutter ruht, kann Menschen im Leid Kraft geben. Sie zeigt, dass Gottes Liebe auch den größten Schmerz umfängt. Jesus steht an der Seite der Armen und Ausgestoßenen, der Kranken und Leidenden. Er gibt seinen Jüngern und Jüngerinnen den Auftrag, ihm auf diesem Weg nachzufolgen. Das Bild der Pietà zeigt, dass Schmerz, Leid und Tod menschliches Leben bis zum Zerbrechen erschüttern. Wo aber, wie bei Maria und Jesus, die Gottesbeziehung daran nicht zerbricht, da eröffnet Gottes Liebe ein Leben in Fülle.
Jeder und jede von uns ist eingeladen, sich zu fragen: Bin ich bereit, auch Leid und Schmerz im Glauben an Gottes Liebe anzunehmen?
Bleibe bei uns Herr und segne uns!

2. Station – Dankbarkeit


Das Kreuz wurde 1917 nach einem Herbststurm errichtet, bei dem ein Teil des damals hier vorhandenen Gradierwerks einstürzte und eine Frau nur durch glückliche Umstände gerettet wurde. Aus Dankbarkeit errichtete die Familie an dieser Stelle das Kreuz.

Dankbarkeit ist einer der vielen Schlüssel zum Glück und zu einem erfüllten Leben. Wenn wir uns bewusst daran erinnern, wofür wir dankbar sein können, dann macht sich ein tiefes Gefühl der Befriedigung, der Zufriedenheit und der Freude in uns breit.
Hierzu eine kleine Geschichte.
Es war einmal ein Bauer, der steckte jeden Morgen eine Handvoll Bohnen in seine linke Hosentasche. Immer, wenn er während des Tages etwas Schönes erlebt hatte, für das er dankbar war, nahm er eine Bohne aus der linken Hosentasche und gab sie in die rechte.
Am Anfang kam das nicht so oft vor. Aber von Tag zu Tag wurden es mehr Bohnen, die von der linken in die rechte Hosentasche wanderten. Der Gesang der Vögel, das Lachen seiner Kinder, das nette Gespräch mit einem Nachbar – immer wanderte eine Bohne von der rechten in die linke Tasche.
Bevor er am Abend zu Bett ging, zählte er die Bohnen in seiner rechten Tasche. Und bei jeder Bohne konnte r sich an das positive Erlebnis erinnern. Zufrieden und glücklich schlief er ein – auch wenn er nur eine Bohne in seiner rechten Hosentasche hatte.
Ist das vielleicht auch etwas für mich?
Bleibe bei uns Herr und segne uns!

3. Station – Schuld

Das älteste Holzkreuz im Ort ist das Kreuz unter Schrops Linde. Es stammt aus dem Jahre 1866. In den Karnevalstagen des Jahres 1881 kam es hier zu einer Auseinandersetzung, bei der ein Mann zu Tode kam.
Durchkreuztes Leben – von einem Moment auf den anderen kann alles anders werden. Hier an diesem Kreuz geschah es durch einen fürchterlichen Streit, der eskalierte. Mindestens für zwei Familien wurde alles anders: für die Familie des Opfers und für die Familie des Täters.
Auch heute kann sich Leben von einem auf den anderen Moment ändern. Nichts ist dann mehr so wie früher. Wir gedenken der Opfer von Terroranschlägen, der Opfer von Verkehrsunfällen aber denken auch an die Unfallverursacher, die durch einen kurzen Moment der Unachtsamkeit das Leben anderer zerstören. Wie kann man mit so einer großen Schuld leben?
Im Vater unser beten wir: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Wer über diese Vergebungsbitte ernsthaft nachdenkt, erkennt, dass Gottes Güte und Vergebung alles übersteigt.
Bleibe bei uns Herr und segne uns!

4. Station – Friede/Unfriede

50 Jahre nach Beendigung des 2. Weltkrieges wurde im Mai 1995 der Friedensglobus des Künstlers Friedrich Reimann aus Duderstadt errichtet. Ein Zeichen für Frieden, Versöhnung und Mitmenschlichkeit. Im Erdkreis steht Christus, der die Welt zusammenhält.

Durchkreuztes Leben von Kindern weltweit, nicht nur in den beiden Weltkriegen, sondern auch heute immer wieder. Sie hatten sich sicher ein anderes Leben vorgestellt die Kinder dieser Welt. Durch Kriege, Vertreibung und Flucht werden sie um ein sorgenfreies Leben betrogen. Die Kinder in den Flüchtlingslagern in Moria in Griechenland und in den Kriegsgebieten z.B.in Syrien haben oft keine Chance auf ein Leben in Würde.
Bleibe bei uns Herr und segne uns!

5. Station – Hunger

Das Kreuz vor dem Kornspeicher stammt aus dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Es wurde von der früher hier wohnenden Familie Kemper aufgestellt.

Durchkreuzte Leben: Wir sehen die Armut und die Hungersnöte der Menschen in vielen Teilen der Erde. Ernten verderben durch Naturkatastrophen. Die Folgen des Klimawandels müssen die Menschen im globalen Süden ertragen.
„Gebt ihr ihnen zu essen“, fordert Jesus seine Jünger auf und damit auch uns. Er lässt nicht zu, dass wir das Problem des Hungers von fast 1 Milliarde Menschen von uns weghalten. Er will, dass wir uns des Welthungers annehmen.
»Gebt ihr ihnen zu essen!« Das klingt zuerst wie eine Zumutung und ist es auch. Denn es mutet uns die kritische Frage zu, ob wir Menschen – in der Kirche, in unserer Gesellschaft wie auch im persönlichen Leben – uns nicht zu schnell aus unserer Verantwortung schleichen, wenn wir sagen: Ich kann nicht helfen.
Bleibe bei uns Herr und segne uns!

6. Station – Gefangenschaft

Das Kreuz im Vorgarten der Familie Gerling wurde von der Witwe Gertrud Gerling, nach einem Gelübde ihres Ehemannes Kaspar Gerling 1952 errichtet. Dieser hatte in russischer Kriegsgefangenschaft gelobt, wenn er die Heimat wiedersehe, werde er zum Dank ein Hofkreuz aufstellen.

Durchkreuzte Leben – Gefangenschaft: in der Freiheit behindert, von der Außenwelt abgeschnitten, nicht mehr selbst über sein Leben bestimmen, eingeengt, oft in der Würde verhöhnt und verspottet.
Viele Menschen fühlen sich heute gefangen: in der Arbeitswelt, durch Stress, Belastungen des Alltags, in der Familie, im Corona-Lockdown, in den eigenen Gedanken.
Gott nimmt jede Form von Gefangenschaft, Unterdrückung und Einengung ernst und ER kann uns befreien. Immer, wenn wir von einer Macht befreit werden, die uns beherrscht, dann leben wir neu auf.
Bleibe bei uns Herr und segne uns!

7. Station – Hoffnung

Durchkreuzte Leben – auf unserem Weg durch den Ort haben wir an unterschiedliche durchkreuzte Leben unserer Vorfahren aber auch in unserer heutigen Zeit erinnert. Alle diese Kreuze drücken aber auch die Hoffnung und einen starken Glauben aus, dass mit dem Tod nicht alles zu Ende ist.
Wir können in dem Glauben leben, dass Gott uns in allen Tiefen unseres Lebens begleitet und nicht allein lässt. Sein Sohn Jesus ist uns Menschen so nah gekommen, dass er gerade in diesen schlimmsten Abschnitten unseres Lebens bei uns ist.
Jesus ist nichts menschliches fremd. Er hat gelebt und gelitten wie wir und ist uns darum so nah.

Bleibe bei uns Herr und segne uns!

Herr Jesus Christus! Dein Kreuzweg erinnert uns daran,
dass du unsere Wege mitgehst – die geraden und krummen,
die leichten und schwierigen,
die zielführenden und die, auf denen uns die Orientierung fehlt. Wir danken dir, dass du bei uns bist – heute und alle Tage bis in Ewigkeit.
Amen.

Herausgeber:
Pfarrgemeinde St. Johannes Evangelist,
59597 Bad Westernkotten